Schuppenbombe aus dem Norden

Ende Juni war es endlich soweit, die erste größere Reise an ein neues Gewässer stand vor der Tür. Nach knapp 2 Stunden Autopacken, oder Tetris spielen – machte ich mich auf den Weg nach Wien. Da ich meinen Hauptwohnsitz im Waldviertel habe, musste ich bereits am Wochenende davor mein ganzes Equipment packen, weil ich direkt von Wien wo ich arbeite weiterfuhr. Jeder kennt es, die Vorfreude war enorm! So schnell vergingen auch die bevorstehenden vier Arbeitstage. Tag X war endlich gekommen! Gegen 11:00 begab ich mich auf den Weg zum neuen, unbekannten Gewässer, ein wunderschön angelegter Naturteich. Ich wusste nicht wirklich viel über das Gewässer: keine Struktur, das Ufer fiel flach ab, eine typische Badewanne. Der Boden des Gewässers war ausschließlich von Schlamm überdeckt, sehr viel Schlamm. Der Angelplatz welchen ich einige Wochen zuvor gewählt habe war am Ende des Teiches wo sich die Freiwasserfläche langsam zu einer langgezogenen Bucht zusammenzieht. Meine Strategie hatte ich mir relativ schnell überlegt. Ich legte auf ca. 70m Entfernung einen großen Futterplatz an wo auch die Köder platziert wurden. Lediglich die ganz rechte Rute hatte ich mit Hilfe der Wathose entlang dem Schilfgürtel platziert. Als Futter verwendete ich die Squid Red HNV, kombiniert mit der Black Tuna in 16, 20 und 24mm. Als Kirsche auf der Sahnetorte soakte ich die Kugeln einige Zeit davor zusätzlich mit dem Robin Red Liquid um mehr Attraktivität am Futterplatz zu bekommen. Gesagt getan, nachdem ich mein Camp aufgebaut hatte, wurden knapp 6kg von der oben erwähnten Mixtur großflächig um den Marker verteilt. Ich verwendete keinen Stabmarker da meine Vermutung war, dass die Fische diese bereits kennen und somit misstrauisch sein könnten. Stattdessen wurde mit der Marker Rute ein großer Baum am Horizont angeworfen, welcher nach dem Füttern wieder eingeholt wurde. Bestückt hatte ich die Ruten mit verschiedensten Variationen: Squid Red HNV kombiniert mit einem Pop-Up oder Fake-Maiskorn, ausbalanciert durch ein Stückchen Kork als Single Köder oder natürlich auch die Black Tuna wo ich beispielsweise 2 Stück 16mm Kugeln als Köder ans Haar hing. Nachdem ich die beiden Ruten in verschiedenen Entfernungen (18 und 20 Rutenlängen) abgelegt hatte kam der gemütliche Teil. Die Voraussetzungen waren leider nicht die Besten: ein Temperatursturz am ersten Tag von knapp 15 Grad und auch der Wind blies genau in die falsche Richtung, weg von der Bucht in Richtung Freiwasser. Der Abend bzw. die erste Nacht verlief relativ ruhig, bis auf vereinzelte Pieper tat sich nichts. Am nächsten Morgen hielt ich weiter an meiner Strategie fest: Markerrute Richtung Baum am Horizont ausgeworfen und raus mit dem Boot, Kugeln verteilen. Da ich keinen Biss in der Nacht hatte wurde jedoch die Futtermenge auf etwa 6 kg Boilies reduziert. Piiiep Pieeep Pieeeeeeeeeeep, endlich war es so weit: gegen 15:00 hatte ich einen Fullrun auf meiner mittleren Rute, welche ich genau am Futterplatz abgelegt hatte. Schon nachdem ich die Rute anhob wusste ich, dass es kein schlechter Fisch ist den ich gehakt hatte. Nach einem kräftigen Drill kam der Fisch endlich das erste Mal auf die Oberfläche, Wahnsinn. Es war eine sehr gut im Futter stehenden Schuppenbombe mit 19,40kg. Gebissen hat der Schuppi auf eine Kombination aus Squid Red HNV in 24mm und einem 16mm Pop-Up, wobei ich von beiden Kugeln ein wenig weggeschnitten hab um den Übergang der beiden Kugeln besser zu gestalten. Die fortlaufenden 2 Tage verliefen leider sehr ruhig. Man sah so gut wie keine Fische rollen oder springen. Ich hatte zwar noch einen weiteren Run auf meiner rechten Rute, welcher jedoch nicht verwertet wurde, da sich der Fisch nach kurzer Zeit im Schilfgürtel festschwamm und unmittelbar danach ausschlitzte. Nachdem alles abgebaut war begab ich mich noch zu den anderen Anglern am Teich und musste feststellen, dass an diesem Wochenende lediglich zwei Fische an der kompletten Anlage gefangen wurden. Der plötzliche Temperatursturz und der starke Wind waren schlechte Faktoren welche das Fressverhalten der Fische drastisch beeinflussten. Trotz allem war es für mich ein sehr schöner Ausflug, da dies bis jetzt mein 2. Schwerster Fisch in meiner Zeit als leidenschaftlicher Karpfenangler war!

Grüße Thomas