Erwünschter Beifang

Im Frühjahr dieses Jahres machte ich mir reichlich Gedanken über die kommende Angelsaison. Viele Fragen gingen mir durch den Kopf: Wo werde ich hauptsächlich angeln? Werde ich eher kurze Sessions oder doch lange Ansitze am Wasser angehen? Welche Vorfächer soll ich vorbereiten? Welche Taktik werde ich versuchen um die Fische zu überlisten? Natürliche Köder oder ausgefallene Farben und Geschmäcker? Partikel oder Boilies?… Letztendlich waren Gewässer ausgewählt, Angel-Urlaube im Kalender eingetragen und die Rig-Boxen mit unzähligen Vorfächern gefüllt. Blieb nur noch die Köderwahl. Das Jahr zuvor fischte ich hauptsächlich mit natürlichen Ködern: Mais, Tigernüsse, Brot, Wurm – und das mit mittelmäßigem Erfolg. Ja ich versuchte hartnäckig neben den vielen Boiliefischern mit „Old-School“-Ködern zu punkten. Doch für die Saison 2018 war ich bereit in die Welt der gekochten Kugeln einzusteigen. Der Markt schien mir überschwemmt von Boilieherstellern und ich wusste nicht welcher Firma ich nun beim Köderkauf vertrauen könne. Ein Freund brachte mich auf Aquatic Baits. Er selber fischte bereits zu 100% nur noch Kugeln von diesem Hersteller und schwärmte regelrecht über die Qualität der Kugeln – seine Fänge aus dem Vorjahr überzeugten mich dann endgültig. Nachdem im Onlineshop die Palette von Aquatic Baits durchgekämmt war, wusste ich auf Anhieb, welchem Ködergeschmack ich einen Versuch schenken würde: MC Squid & Liver aus der Performance Range. Warum ich mir so schnell sicher war, diese Kugel testen zu wollen ist einfach: Squid und Liver, also Kalmar und Leber, sind mittlerweile sicher schon bekannte Alternativköder für Welse. Ich fische zwar liebend gerne auf Karpfen, würde mich aber als Allroundfischer über einen kleinen Wels-Beifang wahrscheinlich noch mehr freuen. Sei noch dazu gesagt, dass dies meine Prämiere eines Silurus glanis an der eigenen Angel wäre.

Als nach wenigen Tagen die bestellten Boilies (und natürlich noch andere Extras wie Powders, Aminol, Pop-Ups,…) in Größe 20mm eintrafen, konnte ich es kaum erwarten die Packung aufzureißen und den Duft der Kugeln erstmals zu vernehmen. Den 2kg Sack in der Wohnung geöffnet, war nach kurzem Staunen über den starken Geruch erstmal das Öffnen der Fenster essentiell. Die Geruchsintensität und Note passte schon mal. Das Zerdrücken in der Hand zeigte optimale Festigkeit und Feuchtigkeit – kein schnelles Zerbröseln, keine steinharte Murmel. Nun folgte noch der Unterwassertest. Da ich den Worten des Freundes vertraute und er mir versicherte, dass in den Kugeln nur Stoffe verarbeitet seien, die gut für die Fische wären, zögerte ich nicht zwei Boilies in mein Aquarium zu werfen. Eine Kugel ganz und eine zu feinerem Granulat zerkleinert. Die kleinen Stückchen wurden von den – mit Karpfen verglichenen – sehr kleinen Rehbraunen Schwielenwelsen sofort angenommen und verspeist. Und sogar die große Kugel wurde nach kurzer Zeit von den Antennen-Harnischwelsen abgeraspelt. Von den Bröseln war am nächsten Tag nichts mehr zu finden und die oberflächlich angefressene große Kugel war noch top in Form. Ich holte sie aus dem Wasser und der Kern war noch solide fest. Genau das brauche ich für einen Ansitz über Nacht. Nun stand dem Einsatz der Boilies am Angelsee nichts mehr im Weg. 

Die ersten Angeltrips des Jahres gingen an reine Karpfenteiche. Gute Schuppen- wie auch Spiegelkarpfen stiegen im Frühling und Sommer auf die Kugeln ein. Am meisten gespannt war ich aber auf die drei Nächte an einem Natursee in Kärnten. Welcher neben vor allem prächtigen Karpfen und Brachsen auch einige Welse beheimatet. Als Vorfächer wählte ich auf der einen Rute ein Multirig und auf der zweiten ein Blow-Back-Rig. Als Köder kamen natürlich die MC Squid & Liver auf das Haar. Zusätzliche halbierte Pop-Ups in der Farbe Gelb und dem Geschmack nach Knoblauch sorgen als Schneemann-Montage für einen optimal ausbalancierten Köder. Jeweils die Kontaktstellen von Boilie zu Pop-Up angeschnitten und somit abgeflacht, ergibt sich ein kompakter Köder-Verbund. Das ist dieses Jahr meine absolute Lieblings-Köderkombination. Die Fänge mit dieser Montage ließen in dieser Saison alle von mir parallel dazu gefischten Alternativen alt aussehen. Tigernüsse, Mais, schwimmender fake Mais, andere Boilies, single Boilies, single Pop-Ups,… lies die Fische in den meisten Fällen kalt. Während die Angel, welche mit der Squid & Liver und gelben Pop-Up mit Knoblauchgeruch bestückt wurde, gleich nur so heiß lief!

Und in der letzten Nacht passierte das, auf was ich so sehr gehofft hatte… Der Bissanzeiger riss mich aus dem Schlaf. Die Rolle lief kurz, aber kraftvoll ab und ich hatte das Equipment schon in den Händen. Zuerst dachte ich an einen Karpfen mittlerer Größe. Die Fluchten waren rasant, doch länger als normal. Der Fisch hatte Power und die 3lb Rute bog sich ordentlich. Ich hatte Bedenken, der Fische könne ausschlitzen, da er immer wieder mit solcher Wucht Schnur nahm und dann ungewöhnlich lange die Bremse aufheulen lies. Doch nach 15 Minuten war der Fisch das erste Mal im Licht der Stirnlampe zu sehen und ich war sprachlos: mein erster Drill eines Europäischen Welses. Es war sicher nicht der neue Weltrekord-Fisch, aber als ich ihn sicher in meinem Kescher hatte, freute ich mich als wäre er es gewesen:

Der Haken mit langem Schenkel in Größe 2 griff perfekt an der Innenseite des Mundwinkels und das selbstgebundene Multirig hat seine Stabilität bewiesen. Dem Fisch schenkte ich natürlich wieder die Freiheit und nach kurzem Energietanken, an einer seichten Stelle am Ufer, schwamm der Top-Räuber des Sees elegant in die Tiefe. 

Und mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht genoss ich den Moment – meines ersten Welses – den ich nie vergessen werde.