Explosion im Uferwasser – der schwarze Amur

 

Der Swinger meiner Karpfenrute bewegt sich nur zentimeterweise auf und ab. Ich setze einen Anhieb und gehe aufgrund des verhaltenen Bisses und der anfangs geringen Gegenwehr von einer Brachse am anderen Ende der Schnur aus. Der Fisch kommt mir ohne großen Kampf bereitwillig entgegen Richtung Ufer. Als ich wenige Meter entfernt zum ersten Mal die dunkle Schwanzflosse an der Oberfläche erkenne ist es Zeit die Bremse zu öffnen, der Tanz beginnt.

 

Recht weit verbreitet und ich denke auch den meisten Anglern geläufig, ist der aus Asien stammende „weiße“ Amur oder auch Graskarpfen. Dieser wurde vor etlichen Jahren in Europa und Nordamerika als Mittel gegen Kraut und übermäßiges Wachstum von Wasserpflanzen eingeführt. Mit diesem kamen auch weitere Fische wie der Silberkarpfen, auch Tolstolob genannt, und eben der schwarze Amur nach Europa.

Der Silber- oder Marmorkarpfen lässt sich mit der Angel so gut wie gar nicht gezielt fangen, da er sich ausschließlich von Plankton ernährt. Der weiße Amur hingegen ist im Sommer ein beliebter Sportfisch, wenn man seinen Aufenthaltsort kennt. Oft verraten sich die Fische an der Oberfläche und lassen sich mit Hartmais oder Schwimmbrot auch gut fangen.

 

Der schwarze Amur ähnelt dem Graskarpfen äußerlich ziemlich stark, unterscheidet sich jedoch komplett von diesem in seiner Lebensweise.

Er hält sich bevorzugt am Grund auf und ist daher in einem Gewässer auch nicht so leicht zu finden. Im Gegensatz zu seinem vegetarischen Verwandten bevorzugt er tierische Nahrung. Muscheln, Schnecken und kleine Krebse stehen in seiner Gunst weit oben. Im Punkt Naturnahrung deckt sich sein Speiseplan also weitgehend mit dem unseres heimischen Karpfens.

Kann man den schwarzen Amur gezielt beangeln?

Ich behaupte: Nein. In einem Gewässer, in das der schwarze Amur gesetzt wurde, werden ziemlich sicher auch Karpfen schwimmen. Also alles, was dem schwarzem Amur schmeckt, frisst auch der Karpfen.

Den nächsten Unterschied zum weißen Amur konnte ich bei der Fangzeit feststellen. Möchte man meinen, dass es dem weißen Amur gar nicht heiß genug zum Fressen sein kann, beisst der schwarze Amur auch gerne im Frühjahr oder Herbst.

Gerade jetzt, wenn die Wassertemperatur im Herbst fällt, geht der eine oder andere schwarze Amur an den Haken. Besonders gerne nehmen die Fische Köder auf Krebs-, Muschel- oder Fischbasis.

Ich vertraue beim Karpfenfischen auf Boilies der österreichischen Köderschmiede Aquatic Baits. Von meinen bevorzugten Ködern werden vom schwarzen Amur besonders gerne die Sorten „Pure Fish“ und „Squid Red HNV“ angenommen. Oftmals bekam ich auch Bisse, wenn ich zusätzlich einen kleinen Pop Up Dumbell als Schneemannmontage am Vorfach montiert hatte.

Der Drill gestaltet sich wie eingangs erwähnt oft ähnlich wie bei den Graskarpfen. Die Fluchten im Uferbereich sind wirklich nicht zu unterschätzen. Der schwarze Amur hat durch seinen langen, torpedoförmigen Körper eine Schnellkraft, die mit einem Karpfen nicht zu vergleichen ist. Daher ist es wie am Anfang erwähnt oftmals zwingend notwendig die Bremseinstellung zu lockern. Ohne richtiges Gespür dafür ist ein Ausschlitzen des Hakens, bei schlechter Gerätewahl teilweise sogar Schnurbruch, die Folge. Auch wenn man als Angler alles richtig gemacht hat, wird man den einen oder anderen Amur verlieren, denn die Selbshakmontage wurde nicht zum Angeln auf diese Fische entwickelt.

Natürlich kann man diese Fische nur dort fangen, wo sie irgendwann einmal besetzt wurden. Vielleicht habt ihr ja auch ein Gewässer, in dem der eine oder andere schwarze Amur schwimmt. Lasst euch von den Fischen nicht täuschen. Wenn ihr den schwarzen Körper oder seine mächtigen, dunklen Flossen erkennt, öffnet die Bremse und das Spektakel beginnt.